Freihandelszone

UA: theater-51grad: BLUR: ™1.6]DELTAx & ™2.6]Paralyzed (Physik & Psychologie)

Unschärfen verbreiten ein Gefühl der Verunsicherung und stärken die Sehnsucht nach klar definierten Grenzen. Systeme geben sich rigoros und sind doch labile Gebilde. Anhaltspunkte für richtiges Verhalten fehlen, Fehlinterpretationen sind wahrscheinlich. Muss der Mensch dieser Verunsicherung erliegen oder kann er die Souveräne Unschärfe als Strategie nutzen?

™1.6]DELTAx_PHYSIK beschäftigt sich mit dem physikalischen Problem der Unbestimmtheit in der Quantenphysik. Leben und Wirken des deutschen Physikers Werner Heisenberg, der die Theorie der Unschärferelation aufstellte und im Dritten Reich in der Atomphysik arbeitete, sind die Grundlagen dieser Miniatur. Die klassische Physik als Wissenschaft, die die Welt in eindeutige Messergebnisse und Formeln fasst, kann keine Unschärfen zulassen. Sie gerät mit der Quantenmechanik in Erklärungsnöte und muss zusehen, wie Wissenschaftler wie Heisenberg und Schrödinger unsere Betrachtung der ‚realen’ Phänome so sehr verändern, dass wir sie uns kaum mehr vorstellen können. Denn: In der Quantenmechanik gibt es zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht bloß zwei mögliche Zustände eines Teilchens, sondern unendlich viele – es gibt Mischzustände, bei denen das Teilchen sich so verhält, als wäre es gleichzeitig „hier” und „da”. DELTAx steht in der Quantenphysik für die Ortsunschärfe. Wie stark bringt die Quantenphysik die Vorstellung von Welt durcheinander und schafft Verunsicherung? Schließlich galten die Axiome und Messungen der Physik lange Zeit als unverrückbare Wahrheiten, doch jetzt scheint sie selbst gravierende Brüche in der Erklärung der ‚Realität’ zu produzieren.  Die Phänomene der Quantenphysik werden auf musikalische Prinzipien übertragen. Die Komposition für Elektronische Musik begibt sich auf die Suche nach der kleinsten Toneinheit, den kleinsten Sprüngen und experimentiert mit Krümmungen des Tons und Klangraums, mit dem Verschwimmen, dem Zerstückeln und Springen des Sounds.

™2.6]Paralyzed_PSYCHOLOGIE Befinden sich Menschen in einer mehrdeutigen, schwer einschätzbaren Situation, also in großer Verunsicherung, so wird jeder einzelne versuchen, aus der Beobachtung der Anderen einen Hinweis auf sinnvolles Verhalten zu bekommen. Bekommt er keinen Hinweis, weil auch die Anderen verunsichert sind, führt das zur Lähmung oder zur Fehlinterpretation. Keiner schreitet ein oder hilft, in der Psychologie wird dieses Phänomen als „pluralistische Ignoranz“ beschrieben.

Die beiden Miniaturen sind Teil der Reihe BLUR – Sechs Miniaturen zur Unschärfe.

BLUR präsentiert in sechs Miniaturen, angesiedelt zwischen Musik, Theater und Videokunst, sechs Bereiche in drei Premierenblöcken. Jede Miniatur dauert ca. 20-25 Minuten und ist ein eigenständiges Werk. Im Ganzen ergeben die sechs Teile eine sich aufeinander beziehende Aufführung.

In Episoden verbinden sich wissenschaftliche Essays mit Literatur, Schauspiel, Musik und Videokunst miteinander – ein Rückblick greift jeweils auf, was bereits geschah.

9.-12. November: ™1.6]DELTAx, ™2.6]Paralyzed, (Physik & Psychologie)
30. Nov. - 3. Dez.: ™3.6]HypeReal, ™4.6]UND:ODER:NICHT, (Fotografie & Fuzzy Logik)
1.-4. März 2018: ™5.6]Smart Factory, ™6.6]Souveräne Unschärfe. (Wirtschaft & Politik)

BLUR setzt auf die bewährte Zusammenarbeit der vier Künstler Andrea Bleikamp, Sergej Maingardt, Jens Standke und Rosi Ulrich und verbindet Kreativität mit wissenschaftlichen Essays, Literatur und Leben.

Miniatur 1 mit: Fabian Ringel; Elektronik: Sergej Maingardt; Stimmen: Karin Kettling, Oliver Schnelker; Künstlerische Leitung: Sergej Maingardt (Idee, Musikalische Leitung, Komposition), Jens Standke (Videokunst), Rosi Ulrich (Dramaturgie, Textfassung), Andrea Bleikamp (Regie); Kostüm: Claus Stump; Kostümanfertigung: Andrea Uebel; Produktionsleitung: Hannah Greve; Technik: Jens Kuklik; PR & Öffentlichkeitsarbeit: neurohr & andrä; Nach einem Essay von Dipl.-Psych. Karin Duda-Kirchhof & Dipl.-Psych. Dr. Oliver Kirchhof Miniatur 2 mit: Fabian Ringel; Flügel: Paulo Àlvares; Stimmen: Oliver Schnelker; Künstlerische Leitung: Sergej Maingardt (Idee, Musikalische Leitung, Komposition), Jens Standke (Videokunst), Rosi Ulrich (Dramaturgie, Textfassung), Andrea Bleikamp (Regie); Kostüm: Claus Stump; Kostümanfertigung: Andrea Uebel; Produktionsleitung: Hannah Greve; Technik: Jens Kuklik, PR & Öffentlichkeitsarbeit: neurohr & andrä