Freihandelszone

MOUVOIR/Stephanie Thiersch: BRUIXA

Gemeinsam mit ihrer langjährigen Weggefährtin Viviana Escalé untersucht die Choreografin Stephanie Thiersch mögliche und bekannte Formen weiblicher Selbstinszenierung. Damit knüpft sie an ihre Soli zu Frauenfiguren „Under Green Ground“ von 2005 und „Beautiful me“ von 2007 an. „Bruixa“ zeigt das persönliche Portrait einer Tänzerin am Ende ihrer Bühnenkarriere. Sich ständig neu gestaltend, changiert Escalé erst geschlechtslos zwischen Tier und Pflanze, um im nächsten Moment fast vollständig im romantisierten Mädchentraum aufzugehen. Spielerisch springt sie zwischen durchchoreografierten Ritualen, intimen Momente des Zauderns und privatem Erzählen hin und her.

Als Begrenzung der kreisförmigen Bühne sind die Zuschauer*innen aktiv am Geschehen beteiligt. Charmant und ohne großen Aufwand werden sie immer wieder zum kontextgebenden Bühnenbild arrangiert.

Wie in einer Versuchsanordnung durchläuft die Performerin verschiedene Szenarien, in denen immer wieder neue Darstellungsweisen ausprobiert werden. Ihr Körper wird durch den Einsatz unterschiedlicher Materialien zum Instrument zwischen Widerstand und Angleichung, Reproduktion und Erfindung.

Begleitet wird Viviana Escalé von der achtjährigen Malu am Schlagzeug. Aus zwei Generationen stammend, bewegen sich die beiden auf unterschiedliche Weise und dabei freundschaftlich-entspannt durch diesen Abend. Neben dem live gespielten Schlagzeug werden Tracks eingespielt, u.a. „Neptune” aus der Orchestersuite „The Planets” (1914-1918) des englischen Komponisten Gustav Holst sowie der Chor der Wäscherinnen – „Secondo Coro Delle Lavandaie“ aus der italienischen Oper „La Gatta Cenerentola“ (1976, dt. „die Aschenkatze“) von Roberto De Simone, nach einem Märchen von Giambattista Basile.

In der Entwicklung der Produktion hat sich Stephanie Thiersch mit tradierten Rollenmustern und ikonografischen Referenzen auseinandergesetzt. Die Arbeiten zeitgenössischer Fotografinnen brachten die Frage nach einem „weiblichen Blick“/female gaze auf den (eigenen) Körper auf – wichtig waren beispielsweise die US-amerikanische Künstlerin Juno Calypso oder der Sammelband „Girl on Girl – Art and Photography in the Age of the Female Gaze“, herausgegeben von Charlotte Jansen. Als weitere Inspirationsquelle und Untersuchungsgegenstand diente u.a. der Roman „Les Guérillères“ (1969, dt. „Die Verschwörung der Balkis“) der französischen Feministin Monique Wittig.

Choreografie/Tanz: Viviana Escalé Regie/Bühne: Stephanie Thiersch Dramaturgie: Maja Zimmermann Appearance: Malu Licht: Ansgar Kluge Produktionsleitung: Anika Bendel Management: Mara Nedelcu Produktion: MOUVOIR e.V. Koproduktionspartner: tanzhaus nrw Düsseldorf Kooperationspartner: Goethe Institut Madrid, Teatros del Canal Madrid, Orangerie – Theater im Volksgarten Köln, Freihandelszone Ensemblenetzwerk Köln. Gefördert durch: Fonds Darstellende Künste, Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, Kulturamt der Stadt Köln.