Freihandelszone

Salon K #19: Rockaby

„Rockaby“ ist ein knapper, von Wiederholungen geprägter Frauenmonolog über den ewigen Zyklus des Sterbens, den Samuel Beckett 1980 zu seinem 75. Geburtstag schrieb. Eine Frau sitzt in einem Schaukelstuhl vor dem Fenster und spiegelt sich im Glas, bis das Schaukeln aufhört, und das Atmen.
 
Regisseurin Andrea Bleikamp inszeniert den Einakter als Tanzstück (Musik Timo Reuber) mit Bibiana Jimenez und der Stimme von Anja Lais in eigenwilliger Weise: Nur durch ein Fensterglas getrennt, verfolgen die Zuschauer den Todeskampf hinter der Scheibe und erleben so jeden Moment die Rolle des Voyeurs. Indem sie die minutiösen Regieanweisungen des Autors ignoriert, präsentiert sie eine starke Produktion, deren Erlebnis man in den Alltag mitnimmt.
 
Thomas Linden in choices 2/2015 über Rockaby:

„Bibiana Jimenez, die zu Johann Kresniks Ensemble gehörte, spielt diese Frau. Eine treffliche Besetzung, vereint sie doch Schönheit und Reife in ihren Bewegungen. Indem Bleikamp die Zeichen umdreht, aus dem Schwarz ein Weiß macht, betont sie den weiblichen Aspekt des Stücks. Geschlecht ist Schicksal, Frauen sterben anders als Männer. Und während bei Beckett die Bewegung auf den schaukelnden Stuhl reduziert bleibt, sich gleichsam alles im Inneren der Sprache ereignet, drehen Bleikamp und ihr Team das Sujet und lassen die Verzweiflung tanzen.“

 

 

 

Regie/Konzept: Andrea Bleikamp, Tanz/Choreografie: Bibiana Jimenez, Stimme: Anja Lais, Ausstattung: Claus Stump, Dramaturgie: Rosi Ulrich, Musik: Timo Reuber, Licht: Boris Kahnert