Freihandelszone

Futur3: Post von drüben!

Rund 30 Jahre nach der Wiedervereinigung haben Vorurteile zwischen Menschen in Ost- und Westdeutschland wieder Konjunktur. Die Bilder des arroganten und egoistischen „Besser-Wessis“ oder des anspruchsvollen und nie zufrieden zu stellenden „Jammer-Ossis“ sind nach wie vor lebendig. Nach den Erfolgen rechtspopulistischer Bewegungen besonders in Teilen der neuen Bundesländer scheinen sich die Bilder einer geteilten Identität weiter zu manifestieren. Dabei zeigen Studien, dass Vorurteile da verschwinden wo Menschen in Kontakt kommen. Diesen Punkt greift „Post von drüben!“ auf und verbindet (in unserer medial beschleunigten Welt) Zuschauer aus Ost und West – auf dem Postweg.
Was würde ich in ein Paket packen, damit mich die anderen verstehen?

Ab dem Frühjahr 2019 spricht das Künstler-Team von Futur3 mit Menschen in Weimar und Düsseldorf. Sie sammeln in beiden Städten persönliche Geschichten, Erinnerungsgegenstände und Gedankensplitter, die etwas über die eigene Identität erzählen. Hinzu kommen Vorstellungen, Vorurteile und Fragen, die sich auf die Menschen aus dem anderen Teil Deutschlands beziehen. Das gesammelte Material arrangiert Futur3 in zwei Postpaket. Ein Paket reist von Weimar nach Düsseldorf, das andere von Düsseldorf nach Weimar. Diese Pakete bilden jeweils den Mittelpunkt für die Performances auf dem Kunstfest Weimar und dem ASPHALT Festival Düsseldorf. Und auch bei den Aufführungen ist wieder die Beteiligung des Publikums gefragt. Denn „Post von drüben!“ legt die Kommunikation in die Hände der Zuschauer. Verändern sich dadurch die Bilder, die wir von den anderen und von uns selbst haben?

Eine Produktion von Futur3 im Auftrag des ASPHALT Festivals Düsseldorf, gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, koproduziert durch das Kunstfest Weimar.