Oktober 2020

Dieses Event wiederholt sich

15Okt20:0022:00WEHR 51: IS deutsche Räuber im DschihadFrei nach Schiller // Nominiert zum Kölner Theaterpreis 2019!St. Gertrud Köln

Über die Veranstaltung

Nominiert zum Kölner Theaterpreis

"Das Ensemble experimentiert und stellt Fragen, doch Antworten liefert sie keine. Statt dessen versucht man die Leerstelle mit Kunst zu stopfen: Eine sich überlagernde Kakophonie aus Bild, Musik, Schauspiel und Tanz zeigt die Vielschichtigkeit des Themas. Gerade das macht 'IS Deutsche Räuber im Dschihad' aber zum politischen Theater - und zu einem Kunsterlebnis." (StadtRevue)

Erstaunt, ungläubig und mit Unverständnis beobachtet die westliche Welt, wie ihre eigenen Kinder die Heimat verlassen, um in einen Krieg zu ziehen, den sie Dschihad und der Westen Terrorismus nennt. Dieser Krieg richtet sich gegen die Werte und Prinzipien der Gesellschaften, aus denen sie kommen, gegen Demokratie und Toleranz. Dabei ist Terrorismus nach dem Militärstrategen Carsten Bockstette weniger eine Militär-, sondern vielmehr eine Kommunikationsstrategie. So schenkt das Selbstmordattentat demjenigen uneingeschränkte mediale Aufmerksamkeit, der sonst nicht zu Wort kommt. Wenn wir heute von Selbstmordattentat reden, dann denken wir zu allererst an den islamistischen fundamentalistischen Terrorismus. Doch diese Annahme lässt außer Acht, dass deutsche/westliche Geschichte und Literatur auch Beispiele hierfür hat. In Schillers Räuber findet sich in Karl Mohr, der eigentlich eine Lichtgestalt ist, eine dunkle Schattenseite. Er gründet eine Räuberbande, raubt und mordet, um den Armen zu geben, doch am Ende erschrickt er selber über die Gewaltexzesse – späte Einsicht.

"Ich fühle eine Armee in meiner Faust - Tod oder Freiheit!" - Die Räuber II, 3 / Karl Moor

Welches Menschenbild liegt dem zugrunde? Was bewegt diese jungen Menschen? Finden sie in der Radikalisierung, im Islamismus/im Räubertum einen Gegenentwurf zum verweichlichten Elternhaus? Ist der Weg in den Dschihad eine Jugendkultur, eine Rebellion gegen das Wertesystem der Gesellschaft oder dessen Fehlen? Der Weg führt in die Wüste oder in den Wald und schließlich vor Gericht!

Auf der Folie von Schillers „Die Räuber“, spiegelt der Vater Sohn Konflikt den Generationenkonflikt und das Aufbegehren gegen die Gesellschaft, die Bildung einer Räuberbande ist logische Konsequenz – der Weg in den Dschihad auch? Es zeigt Gemeinsamkeiten, die über zeitliche und kulturelle Dimensionen hinausgehen und legt die Annahme nahe, dass Gewalt in der Natur des Menschen verankert ist:  Aberwie kann man ihr entgehen?

In der Freihandelszone beginnt das Stück mit einer performativen „Räuber“-Installation. Der Gründung einer Bande und ihrer Sprengung. Von dort wird der Besucher in das monumentale Kirchengebäude von Sankt Gertrud geleitet, einem Ort der offenen Begegnung und religiösen Auseinandersetzung, der Liebe und der Kunst, aber auch zu einer Gerichtsverhandlung, die unvereinbare Gegensätze und Positionen gegenüberstellt. Wie bei einer Sitzung des UN Sicherheitsrats folgt der Zuschauer über Kopfhörer der Verhandlung auf der Chorempore. Verschiedene Stationen, Videoprojektionen, Spielszenen, Zeugenbefragungen, Blickachsen und der phänomenale Raumklang der Kirche ergeben wechselnde Perspektiven, sowohl gedanklich als auch visuell. Der Aufbau ist wie das klassische Drama in 5 Akte gegliedert.

Regie: Andrea Bleikamp / Textfassung & Dramaturgie: Rosi Ulrich / Video: Jens Standke / Musik: Sergej Maingardt / Ausstattung: Claus Stump / Licht: Jan Wiesbrock / Technik: Jens Kuklik / Regie-Assistenz & Abendbetreuung: Gina Bensch & Sarah Blasco Guitérrez

Mit: Asta Nechajute, Luica Schulz, Fabian Kuhn, Katharina Sim

Zeit

Donnerstag, 15. Okt 2020, 20:00 Uhr

Veranstaltungsort

St. Gertrud Köln

Tickets

Reservierung unter info [at] wehr51.com

Weitere Termine

15. Oktober 2020, 20:00 Uhr16. Oktober 2020, 20:00 Uhr17. Oktober 2020, 20:00 Uhr18. Oktober 2020, 20:00 Uhr15. April 2021, 20:00 Uhr16. April 2021, 20:00 Uhr17. April 2021, 20:00 Uhr18. April 2021, 20:00 Uhr

X