September 2021

17Sep20:0022:00WEHR 51: IS deutsche Räuber im DschihadFrei nach Schiller // Ausgezeichnet mit dem Kölner Theaterpreis!Zionskirche, Zionskirchplatz, Berlin

Über die Veranstaltung

Ausgezeichnet mit dem Kölner Theaterpreis 2020!

"Das Ensemble experimentiert und stellt Fragen, doch Antworten liefert es keine. Statt dessen versucht man die Leerstelle mit Kunst zu stopfen: Eine sich überlagernde Kakophonie aus Bild, Musik, Schauspiel und Tanz zeigt die Vielschichtigkeit des Themas. Gerade das macht 'IS Deutsche Räuber im Dschihad' aber zum politischen Theater - und zu einem Kunsterlebnis." (StadtRevue)

Trailer:

Erstaunt, ungläubig und mit Unverständnis beobachtet die westliche Welt, wie ihre eigenen Kinder die Heimat verlassen, um in einen Krieg zu ziehen, den sie Dschihad und der Westen Terrorismus nennt. Dieser Krieg richtet sich gegen die Werte und Prinzipien der Gesellschaften, aus denen sie kommen, gegen Demokratie und Toleranz. Dabei ist Terrorismus nach dem Militärstrategen Carsten Bockstette weniger eine Militär-, sondern vielmehr eine Kommunikationsstrategie. So schenkt das Selbstmordattentat demjenigen uneingeschränkte mediale Aufmerksamkeit, der sonst nicht zu Wort kommt. Wenn wir heute von Selbstmordattentat reden, dann denken wir zuallererst an den islamistischen fundamentalistischen Terrorismus. Doch diese Annahme lässt außer Acht, dass deutsche/westliche Geschichte und Literatur auch Beispiele hierfür hat. In Schillers Räuber findet sich in Karl Mohr, der eigentlich eine Lichtgestalt ist, eine dunkle Schattenseite. Er gründet eine Räuberbande, raubt und mordet, um den Armen zu geben, doch am Ende erschrickt er selber über die Gewaltexzesse – späte Einsicht.

"Ich fühle eine Armee in meiner Faust - Tod oder Freiheit!" - Die Räuber II, 3 / Karl Moor

Welches Menschenbild liegt dem zugrunde? Was bewegt diese jungen Menschen? Finden sie in der Radikalisierung, im Islamismus/im Räubertum einen Gegenentwurf zum verweichlichten Elternhaus? Ist der Weg in den Dschihad eine Jugendkultur, eine Rebellion gegen das Wertesystem der Gesellschaft oder dessen Fehlen? Der Weg führt in die Wüste oder in den Wald und schließlich vor Gericht!

Auf der Folie von Schillers „Die Räuber“, spiegelt der Vater Sohn Konflikt den Generationenkonflikt und das Aufbegehren gegen die Gesellschaft, die Bildung einer Räuberbande ist logische Konsequenz – der Weg in den Dschihad auch? Es zeigt Gemeinsamkeiten, die über zeitliche und kulturelle Dimensionen hinausgehen und legt die Annahme nahe, dass Gewalt in der Natur des Menschen verankert ist:  Aberwie kann man ihr entgehen?

Das Stück beginnt mit einer performativen „Räuber“-Installation. Der Gründung einer Bande und ihrer Sprengung. In der Zionskirche, einem Ort der offenen Begegnung und religiösen Auseinandersetzung, der Liebe und der Kunst, wird eine Gerichtsverhandlung gezeigt, die unvereinbare Gegensätze und Positionen gegenüberstellt. Wie bei einer Sitzung des UN Sicherheitsrats folgt der Zuschauer über Kopfhörer der Verhandlung. Verschiedene Stationen, Videoprojektionen, Spielszenen, Zeugenbefragungen, Blickachsen und der phänomenale Raumklang der Kirche ergeben wechselnde Perspektiven, sowohl gedanklich als auch visuell. Der Aufbau ist wie das klassische Drama in fünf Akte gegliedert.

Regie: Andrea Bleikamp / Textfassung & Dramaturgie: Rosi Ulrich / Video: Jens Standke / Musik: Sergej Maingardt / Ausstattung: Claus Stump / Licht: Jan Wiesbrock / Technik: Jens Kuklik / Regie-Assistenz & Abendbetreuung: Gina Bensch & Sarah Blasco Gutiérrez

Mit: Asta Nechajute, Lucia Schulz, Fabian Kuhn, Katharina Sim

Zeit

Freitag, 17. Sep 2021, 20:00 Uhr

Veranstaltungsort

Zionskirche, Zionskirchplatz, Berlin

Weitere Termine

16. September 2021, 20:00 Uhr17. September 2021, 20:00 Uhr18. September 2021, 20:00 Uhr

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